Chronik

Über 170 Jahre Gesang am Chiemsee: Die Liedertafel Prien ist der älteste weltliche Gesangsverein am westlichen Chiemsee. Hier die wichtigsten Stationen.

Sangesfreudige Männer gründen einen Verein (1852–1870)

Im Herbst 1852 gründeten sangesfreudige Männer aus dem westlichen Chiemgau den „Chiemgauer Musikverein“. Der junge Verein gab bald den Anstoß zu etwas Größerem: Am 23. Oktober 1862 schlossen sich zehn Gesangsvereine zwischen Berchtesgaden und Bad Aibling zum „Chiemgauer Sängerbund“ zusammen. 1870 ging aus dem Musikverein die „Liedertafel Prien“ hervor.

Die seidene Fahne (1873)

Am 26. Juli 1873 trafen sich viele Mitgliedsvereine am Chiemsee zur Fahnenweihe der Priener Liedertafel. Diese altehrwürdige seidene Fahne existiert bis heute — sicher aufbewahrt im Priener Heimatmuseum.

Mittelpunkt des Priener Lebens

Viele Jahrzehnte war die Liedertafel der kulturelle und gesellschaftliche Mittelpunkt Priens — bei Festen, im Fasching, an Gedenktagen und bei Ehrungen. Sogar Operetten führte der Verein auf, mit eigenem Orchester. Drei Kriege und manche Krisenzeit trugen den Verein nicht zu Boden: Die Freude am Singen war stets stärker als Not und Leid.

Ein Neuanfang nach dem Krieg (1954)

Am 7. Februar 1954 wurde in Traunstein der Chiemgau-Sängerkreis wiedergegründet — auf Betreiben der Priener, mit Vorstand Erhard Krauss und Chormeister Josef Hufnagel. Aus dieser Wiedergründung ist ein Verbund von rund 20 Chören mit etwa 700 Sängerinnen und Sängern geworden.

Die Blütezeit der Nachkriegsjahre (1949–1972)

Zwischen 1949 – 1972 erlebte die Liedertafel eine ihrer stärksten Phasen. Drei Chorleiter prägten diese Jahre: Josef Hufnagel, Sebastian Weyerer und Johannes Hipper.

Vom Männerchor zum gemischten Chor (1975)

Als die singenden Männer knapp wurden, wagte der Verein 1975 den Schritt vom reinen Männergesangsverein zum gemischten Chor. Vorstand Hannsjörg Scheyerer führte die Liedertafel durch diese Umbruchszeit; am Dirigentenpult standen in den Jahren danach Johannes Fischer, Uwe Müller und Matthias Hippe.

Mit den Frauenstimmen wuchs auch das Repertoire: klassische europäische Chorliteratur kam hinzu, dazu Gospels, Spirituals und alpenländisches Liedgut.

Später übernahm mit Kathrin Götz erstmals eine Frau den Vorsitz — neun Jahre lang führte sie den Verein. Inzwischen steht die Liedertafel unter komplett weiblicher Führung. Nur eines ist geblieben: Männerstimmen sind bis heute chronisch knapp — und darum besonders willkommen.

150 Jahre — ein Fest mit über 1.000 Sängern (2002)

Im Mai 2002 feierte die Liedertafel ihr 150-jähriges Bestehen mit einer großen Festwoche. Unter Vorstand Lothar Rechberger, heute Ehrenvorstand des Vereins, kamen über 1.000 Sängerinnen und Sänger nach Prien — aus Bayern, aus Sachsen (Chorgemeinschaft Radebeul-Lindenau), aus Hessen (Walluf) und aus Italien.

Singen für andere — und Freunde in Europa

Regelmäßig singt die Liedertafel in Priener Altenheimen und Kliniken. Diese Kurkonzerte gehören seit Jahrzehnten zum Chorjahr.

Über Prien hinaus reichen zwei Freundschaften: „Coro Maranina“ in Valdagno (Italien) und „Fiesta“ in Graulhet (Frankreich). Dreimal reiste der Chor nach Valdagno, dreimal nach Graulhet — jedes Mal mit gemeinsamen Konzerten.

Die jüngere Zeit

27 Jahre lang prägte Dirigent Willi Weitzel den Chor und brachte mehrere „Bayerische Opern“ auf die Bühne; er verstarb im April 2023. Auf ihn folgte Nektaria Paletsou aus Salzburg, die neues Repertoire einbrachte. Seit September 2025 leitet Andrea Wittmann den Chor.

Das nächste Kapitel: 175 Jahre (2027)

Am 19. Juni 2027 feiert die Liedertafel ihr 175-jähriges Jubiläum im König-Ludwig-Saal Prien.